Hier der komplette Antrag:
Antrag der CDU-Fraktion Kevelaer:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
mit der Fertigstellung des Peter-Plümpe-Platzes als letzter Maßnahme des IHK für die Kevelaerer Innenstadt und einem avisierten Enddatum für die Fertigstellung der OW1 sind zwei wesentliche Eckpfeiler für die künftige Verkehrsführung in Kevelaer gesetzt und ist ein wichtiger Schritt für die Umsetzung unseres Mobilitätskonzeptes getan. Ein weiterer zentraler Baustein in diesem Konzept ist der Kevelaerer Bahnhof, daher stellt die CDU-Fraktion im Rat der Wallfahrtsstadt Kevelaer den folgenden Antrag:
Der Kevelaerer Bahnhof und sein Umfeld sollen zu einer modernen Mobilitätsdrehscheibe für Fußgänger, Radfahrer, Busse, Bahn und motorisierten Individualverkehr weiterentwickelt werden. Die Verwaltung wird beauftragt, dafür ein städtebauliches und verkehrliches Gesamtkonzept zu erarbeiten und dem Rat zur Beratung vorzulegen.
In dieses Konzept sind der Bahnhof selbst, die Straßen Am Bahnhof, Antoniusstraße und Bahnstraße sowie der Bahnübergang Rheinstraße, die Park-and-Ride-Flächen an der Ladestraße und bis zum Europaplatz sowie die Anschlüsse an angrenzende Verkehrsbereiche – insbesondere auch die fußläufigen Verbindungen in Richtung Innenstadt und Kapellenplatz – einzubeziehen.
Das Konzept soll Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrsführung, Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität, Besucherlenkung und Mobilitätsangebote aufzeigen.
Die Verwaltung prüft parallel mögliche Förderprogramme von Land, Bund und EU zur Finanzierung einzelner Maßnahmen.
Begründung
Als Kevelaer 1863 mit einem eigenen Bahnhof an das Schienennetz angeschlossen wurde, bedeutet das einen gewaltigen Entwicklungsschub für die Stadt. Bis heute ist der Bahnhof eine Mobilitätsdrehscheibe, die verschiedene Verkehrsmittel an einem Ort vernetzt – allerdings gelingt ihm dies längst nicht mehr in zeitgemäßer Weise.
Bereits im Verkehrskonzept der Wallfahrtsstadt Kevelaer aus dem Jahr 2024 wird darauf hingewiesen, dass der Bereich rund um den Bahnhof und die angrenzenden Verkehrsachsen modernisiert und strukturiert weiterentwickelt werden müssen. Dies kann nicht in einem Konglomerat immer neuer Einzelentscheidungen geschehen, sondern braucht ein Gesamtkonzept auf Basis der bereits vorliegenden Untersuchungen und der praktischen Erfahrungen mit der Mobilitätsentwicklung in Kevelaer selbst und der Anbindung an das überörtliche Mobilitätsnetz. Zu einem solchen Gesamtkonzept gehört zwingend auch eine Umsetzungsplanung, die das Vorhaben in konkrete Schritte gliedert und diese priorisiert.
Ergänzende Erläuterungen
Ein Gesamtkonzept für den Bahnhofsbereich als Mobilitätsdrehscheibe ist eine Weichenstellung für die Zukunft. Aufgrund des Umfangs der Aufgabe und der aktuellen Haushaltslage der Stadt Kevelaer ist das komplette Vorhaben mit einer langfristigen Perspektive zu versehen, doch gerade deshalb müssen die funktionale Bündelung der Mobilitätsangebote und die Anpassung und Aufwertung der umgebenden Verkehrs- und Aufenthaltsräume jetzt angegangen werden. Die folgenden Aspekte unterstreichen die Bedeutung, die eine solche Planung für die Weiterentwicklung Kevelaers als zukunfts- und wettbewerbsfähiger Wohn- und Wirtschaftsort haben kann.
Das Bahnhofsumfeld als zentraler Verkehrsknoten
Im Bereich rund um den Kevelaerer Bahnhof laufen bereits heute verschiedene Mobilitätsformen zusammen oder teilen sich zumindest den Verkehrsraum:
- Der RE10 (Niers-Express) als Bahnverbindung zwischen Kleve, Krefeld und Düsseldorf und Anschluss an das weitere überregionale Verkehrsnetz
- Regionaler ÖPNV und die Bürgerbusse aus dem Stadtgebiet Kevelaer und den Ortschaften
- Fußgänger und Radfahrer, von denen viele per Bus oder Bahn von hier externe Ziele ansteuern
- Motorisierter Individualverkehr
- Radstation und Bike-and-Ride-Anlagen
- Park-and-Ride-Parkplätze
- Ankunftsstelle für die Pilger- und Reisebusse sowie angrenzend der Tagesparkplatz für dieselben
- Fehlende oder unzureichende Barrierefreiheit
- Teilweise unübersichtliche Verkehrsführung
- Fehlende klare Besucherlenkung
- Unzureichende Fußwegeverbindungen in Richtung Innenstadt und Kapellenplatz
- Unzureichende Aufenthaltsqualität
- Fehlende Ladeinfrastruktur für Elektromobilität
Zudem liegen hier
Damit umfasst der Bahnhofsbereich die wesentlichen Bestandteile, die eine zentrale Mobilitätsdrehscheibe für Einwohner, Pendler, Besucher und Pilger ausmachen. Aktuelle Investitionen – beispielsweise der Ausbau von Fahrradstellplätzen am Bahnhof – unterstreichen zudem die Entwicklungschancen hin zu nachhaltiger Mobilität.
Städtebauliche und funktionale Defizite
Trotz seiner Bedeutung ist das Bahnhofsumfeld derzeit nicht zeitgemäß ausgestattet. Insbesondere bestehen folgende Herausforderungen:
Gerade die Wege vom Bahnhof beziehungsweise von der Busankunft zur Innenstadt und zum Kapellenplatz oder zu anschließenden Reisemöglichkeiten stellen für viele Besucher eine erste Orientierungshürde dar. Sie müssen klarer geführt, sicher und attraktiv gestaltet sein.
Aktuelle Situation durch Verlegung der Busankunft
Im Zuge der Umgestaltung des Peter-Plümpe-Platzes wurde die Busankunft der Pilger- und Reisebusse in den Bereich „Am Bahnhof“ verlegt. Dazu wurde eine temporäre Haltemöglichkeit geschaffen, die aktuell das gleichzeitige Ankommen von bis zu vier Reisebussen ermöglicht. Die praktische Erfahrung mit dieser Busankunft, die von Beginn an als pragmatische Zwischenlösung definiert war, zeigt deutlich, dass der Standort in der derzeitigen Gestaltung mit praktischen Problemen zu kämpfen hat und den Anspruch an eine sichere, würdige und strukturierte Ankunftssituation für die Gäste und Pilger unserer Stadt nicht erfüllt. Eine Änderung ist daher unumgänglich.
Einer Rückverlegung der Busankunft zum Peter-Plümpe-Platz hat der Rat der Stadt Kevelaer aus städtebaulichen und verkehrstechnischen Gründen mit einem demokratisch gefassten Beschluss eine Absage erteilt, und nach Einschätzung der Verwaltung wäre ein solcher Schritt zudem förderrechtlich problematisch und mit erheblichen Kosten verbunden. Die CDU plädiert dafür, die Busankunft nicht aus dem Knotenpunkt am Bahnhof auszugliedern, sondern dort eine Gesamtlösung für alle Spielarten des Busverkehrs zu finden und zu gestalten.
Willkommenssituation für Reisende, Besucher und Pilger
Die Wallfahrtsstadt Kevelaer empfängt jährlich eine große Zahl an Pilgergruppen und Besucherinnen und Besuchern. Die aktuelle Busankunft ist zwar zweckdienlich, bietet aber nicht den Willkommenscharakter, den Reisende, Gäste und Pilger erwarten dürfen. Ein zukünftiges Konzept sollte daher für den gesamten Bereich die folgende Ausstattung bieten:
- überdachte Unterstellmöglichkeiten
- Sitzgelegenheiten
- WC-Anlage
- Informationspunkte und Stadtpläne
- klare Wegeführung zur Innenstadt
- eine gestalterisch ansprechende Eingangssituation in die Wallfahrtsstadt
Verkehrslenkung und Entlastung der Innenstadt
Ein strukturierter Mobilitätsknoten am Bahnhof ist auch ein wichtiger Baustein für eine bessere Verkehrslenkung. Daher sollen im Rahmen eines Gesamtkonzeptes auch die Belastbarkeit der Zu- und Abfahrtsstraßen untersucht sowie mögliche Optimierungen geprüft werden. Ziel der Maßnahme ist es,
- Reiseströme zu bündeln
- Besucherströme geordnet zu lenken
- die Innenstadt zu entlasten
- Verkehrsflüsse effizienter zu gestalten
Realistische Umsetzung in Etappen und Finanzierung
Der CDU-Fraktion ist bewusst, dass es sich hierbei um ein langfristiges Infrastrukturprojekt handelt, das große personelle und materielle Ressourcen in Anspruch nehmen wird. Eine Umsetzung kann nur schrittweise erfolgen und wird wie zuvor die Umgestaltung der Innenstadt im Rahmen des IHK mehrere Jahre dauern. Auch wird es ohne umfangreiche Dritt- und Fördermittel nicht gehen. Gerade deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das auch als Grundlage für die Bewerbung um Aufnahme in Förderprogramme dienen kann.